III. Bilderfetzen

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IIIIII. Fetzen
Die Decke der Nacht liegt hart auf mir,
und ungemütlich ist die kalte Luft in meinem Hals.
Wenn das Flugzeug über mich hinwegdonnert,
kann ich meinen Atem sehen.
Wenn der Baum mit seinen Blättern klimpert,
merk ich aufs Neue, wie schwierig das ist.
Also halt ich mir die Ohren zu,
auf dass ich nie wieder hören werde.
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Schwarze Löcher
Die Schatten in meinem Zimmer werden länger und ich knipse schnell das Licht an. Mir ist kalt, ich dreh die Heizung an und lege mich aufs Bett. Lieg da vielleicht zwei Stunden. Jetzt steh ich auf und öffne das Fenster mit einem kräftigen Ruck am verrosteten Griff. Flimmernde Hitze schlägt um meine Haut. Ich gehe rein, suche meine Zigaretten, stell mich wieder ans Fenster und zünd mir eine an.
Schau ich aus dem Fenster in unsere Welt oder aus meiner Welt in die der anderen?
Es ist eine belebte Tageszeit und da unten ist eine Menge los. Von der Straße her kann ich die Geräusche des Lebens hören.
Fahren, hupen, bremsen, stopp. Fahren, hupen, bremsen, stopp. Fahren, hupen, bremsen, stopp.
Ich schnippe meine Kippe auf den Gehweg und ziehe mir schnell ein T-Shirt und meine Schuhe an, kram noch nach dem Schlüssel und verlasse meine Wohnung mit einer knallenden Tür. Beim nächsten Bäcker kauf ich mir Brötchen und einen Liter Milch. Fürs Frühstück morgen.
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IIIII. Fetzen
Eine weiße Welt
Weiß und leer
Ohne jeden Zusammenhang
Am Sonntag
Abend.
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II. Bilderfetzen

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Vibrierendes Parkett
Die Musik wummerte laut aus den Lautsprechern in Philipps Arbeitszimmer. Der Parkettboden vibrierte unter den Bässen und Philipp fühlte sich wohl. Er fühlte sich immer wohl, wenn die Musik laut war. Anders hört man keine Musik, sagte er immer. Jetzt gerade saß Philipp am Schreibtisch und las ein Buch über Genetik – sein Biologie-Diplom stand vor der Tür. Eigentlich brannte er darauf, alles über Biologie zu wissen, doch jetzt, an diesem Sonntagabend langweilte ihn das alles. Seine Freundin saß drüben im Wohnzimmer und sah sich Tatort an. Er konnte das nicht mehr haben – die Drehbücher sind in den letzten Jahren zu schlecht geworden, entgegnete er seiner Freundin immer, wenn sie ihn zum Mitglotzen überreden wollte.
Ihn kribbelte etwas im großen Zeh seines rechten Fußes.
Gerade als er sich entschlossen hatte, kurz rüber ins Wohnzimmer zu gehen, klingelte das kabellose Telefon, das neben ihm auf der Glas-Schreibtischplatte lag. Er nahm ab, stand auf – und fiel sofort seine ganzen einssiebenachtzig-Meter Länge auf den vibrierenden Parkettboden.
Philipp?
Verdammt, meine Füße sind eingeschlafen, dachte er sich, es kribbelte an seinen Waden und es kam ihm etwas seltsam vor. Mühsam griff er nach dem Telefon, das einige wenige Zentimeter weg von ihm lag.
Hallo?
Natürlich – die Musik war zu laut, er konnte zwar feststellen, das seine Mutter am anderen Ende der Leitung ihren obligatorischen Sonntags-Familienschwall vollführen wollte, doch er verstand nichts, was sie sagte.
Philipp spürte seine Beine komplett nicht mehr und versuchte vergeblich zur Stereoanlage zu robben, um diese verdammte, verdammt laute Musik leise zu drehen. Nun bekam er einen furchtbaren Schock, schrie in das Telefon, schrie in Richtung Wohnzimmer, seinen Bauchnabel spürte er nicht mehr.
Hallo, Philipp? Mach die Musik leiser!
Langsam wurde ihm schwarz vor Augen, er verstand es nicht, lag auf dem vibrierenden Parkettboden und dachte noch in seinen letzten Momenten an eine biologisch begründete Lösung dieses rätselhaften Todes.
Hallo?
piep piep piep piep.
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IIII. Fetzen
Hahaha
lacht es aus dem dunklen Raum
ist so dunkel kann nicht schauen
Hahaha.
Hahaha
lach ich in den hellen Raum
bin geblendet kann nicht schauen
Hahaha.
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I. Bilderfetzen

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III. Fetzen
Ruhige Bewegungen
bringen feste Luft
ins Wirbeln.
Sandstrand und Kohle
leuchten Kontrast.
Fenster sind geschlossen
die Nachbarn bekommen nichts
mit.
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August
Wenn diese heiße Mittagssonne durch meinen roten Vorhang schießt und ich mit Kopf- und Rückenschmerzen auf meiner harten Matratze aufwache, dann weiß ich, dass es Zeit ist, einen weiteren Augusttag zu überleben. Gegen drei Uhr nachmittags bin ich fit und sitze in meiner Zweizimmer-Wohnung. Was mach ich nur mit meiner Zeit? Was ist mit meinem Traum passiert?
Ich merke, dass ich ohne meinen geregelten Arbeitsalltag vollkommen aufgeschmissen bin. Sehne mich nach meinem Funkwecker. Ständig bin ich mit Leuten unterwegs, denen ich egal bin, die mir egal sind. Und wieder stellt sich mir die fundamentale Frage: Wer sind eigentlich meine Freunde? Und wenn es welche gibt, wo verdammt sind sie dann jetzt?
Ich nehme mir immer etwas vor, ich nehme mir abends vor, am nächsten Morgen schwimmen zu gehen, doch das lasse ich immer. Mir fehlt jeder Antrieb.
Wenn doch endlich diese unerträgliche Hitze mal vorbei wäre. Ich schmilze und bekomme Herzklopfen. Bald ist September. Dann darf ich auch wieder arbeiten.
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